Als das Duo einen thematisch passenden Titel für die neuen Lieder finden sollte, erinnerte sich Boris Blank an ein altes, ungenutztes Songfragment, das in seinem riesigen Tonarchiv genau unter diesem Namen verborgen lag. „Genau wie Dieter es sagt …“, erzählt Blank. „Man kann sich nicht jeden einzelnen Tag neu erfinden. Man gräbt ständig Dinge aus der Vergangenheit aus, und diese führen einen Schritt für Schritt weiter.“

Etwas, das sich seit Yellos frühesten Tagen nicht geändert hat, ist ihre Arbeitsweise. Blank, der Handwerker, sitzt den ganzen Tag in seinem fast mönchzellengleichen Studio und formt und verfeinert seine parallelen Klanguniversen, bis sie seinen Ansprüchen an Perfektion genügen. Danach kommt Meier, der engagierte Weltbürger, und enthüllt die Geschichten von anarchistischer Romantik, absurden Überfällen und dadaistischen Abenteuern, die sich in der Musik verbergen. „Ich habe nie mehr als zwanzig Minuten gebraucht, um meine Texte zu finden“, sagt Meier. „Wenn ich Boris’ Musik höre, kommen die Worte einfach von selbst. Es ist ein großes Privileg, eine so harmonische Symbiose im Leben zu finden.“

Boris Blank konstruiert seine imaginären Soundtracks aus unzähligen kleinen Elementen – einer Kombination aus völlig neuen Samples und Fragmenten aus seinem Archiv. Jede Yello-Nummer ist daher per Definition alt und neu zugleich. „Around the Sun“ – die erste Single aus „Timelab“ – platziert eine Meier-Aufnahme aus den frühen Jahren in einem modernen klanglichen Kontext. „Break Out“ kombiniert einen Knall klassischer Blank-Bläser mit Meiers Staccato-Vortrag in einer mitreißenden Aufforderung, mit der Faulheit aufzuräumen. „Spin Back“ interpretiert „Spinning My Mind“ vom letzten Yello-Album „Point“ (veröffentlicht im Jahr 2000) neu, gekleidet in einen 1980er-Jahre-Ausdruck. „Streets of Berlin“ bezieht sich auf „The Race“ und wurde für die kommende Staffel von „Babylon Berlin“ eingespielt.

Mit Dieter Meiers virtuoser Spoken-Word-Performance auf „Zebra“ bewegt sich „Timelab“ in das Science-Fiction-Universum: Der Text ist ein in den 1970er-Jahren von dem Science-Fiction-Autor Philip K. Dick geschriebener Brief. Das Album bietet außerdem drei träumerische und wehmütige Lieder von einigen alten Yello-Freunden, den Gastsängerinnen Heidi Happy und Malia.

„Zeit existiert eigentlich nicht in Yellos Musik“, sagt Boris Blank. Oder wie Dieter Meier es formuliert: „In die Zukunft durch die Vergangenheit.“